Justizvollzugsanstalt Heinsberg:  Aus zunächst nur 300 werden 573 Haftplätze

 

Aus zunächst nur 300 werden 573 Haftplätze

Richtkranz weht über der knapp 74 Millionen Euro teuren Erweiterung der JVA Heinsberg. Sie ist damit die zweitgrößte Jugendanstalt in Deutschland.
Zahlreiche Besucher beim Richtfest

Zahlreiche Gäste aus Justiz, Politik, Wirtschaft und Verwaltung ließen sich das Richtfest an der JVA nicht entgehen.

© Heinsberger Zeitung vom 30. April 2010
von Redakteur Rainer Herwartz

Heinsberg. „Es ist gelungen, im Wesentlichen, trotz des langen Winters in der Zeit zu bleiben“, dankte Harald K. Lange, Niederlassungsleiter des Bau- und Liegenschaftsbetriebs NRW in Aachen, den Bauleuten. Seit gestern weht der Richtkranz über den knapp 74 Millionen Euro teuren Erweiterungsbauten der Justizvollzugsanstalt in Heinsberg. Nach der Fertigstellung wird sie als größte Jugendstrafanstalt Nordrhein-Westfalens und zweitgrößte in ganz Deutschland über insgesamt 573 Haftplätze für den Jugendvollzug verfügen, was mehr als eine Verdoppelung der bisherigen Kapazität bedeutet. Damit soll den strukturellen Anpassungen im Strafvollzug Rechnung getragen werden.

Bauherr und Projektleiter für die Erweiterung ist der landeseigene Bau- und Liegenschaftsbetrieb NRW, der das Projekt auch finanziert. Eine Haftanstalt dieser Dimension sei sicher weder ein Atomkraftwerk noch eine Forensik, meinte Lange, „aber es ist nicht immer leicht, so etwas zu platzieren“. Zu viele Bedenken oder gar Proteste aus der Bevölkerung erschwerten nicht selten ein solches Vorhaben. In Heinsberg sei dies anders. Hier hatten die Menschen die Vorteile des Projektes auch in wirtschaftlicher Sicht längst erkannt. „Es war angenehm stressfrei und konstruktiv, dieses Projekt auf die Schiene zu setzen“, danke Lange auch den Justizbehörden für ihre Kooperation.


Justizvollzugsanstalt Heinsberg feierte am 29. April 2010 das Richtfest für die Erweiterungsbauten.

Sie standen gestern gemeinsam am „Drücker“, um den Richtkranz in die Höhe zu hieven: Harald K. Lange, Niederlassungsleiter Bau- und Liegenschaftsleiter Bau- und Liegenschaftsbetrieb NRW Aachen, Landrat Stephan Pusch und Anstaltsleiterin Ingrid Lambertz.

In den Kosten enthalten sind Umbau und Anpassung bestehender Bereiche aufgrund der größeren Anzahl an Haftplätze. Die Justiz als Mieter kann nach Fertigstellung und Übergabe der Erweiterungsbauten und des Küchentraktes ab Mitte 2011 rund 19 600 Quadratmeter nutzen. Die Erweiterung der Bestandsgebäude bietet nach Fertigstellung ab Mitte 2012 weitere 4000 Quadratmeter Fläche. Neben der Erweiterung der Haftmauer und dem Neubau einer Sportanlage werden zwei neue Gebäude für Straf- und Untersuchungshaft, ein Werkstatt- und Garagengebäude sowie zwei Werk- und Ausbildungshallen für die berufliche Förderung gebaut. Das ermöglicht der Anstalt, neue und arbeitsmarktnahe Ausbildungsgänge einzurichten. Zusätzlich zu den Neubauten werden das bestehende Verwaltungsgebäude, der Küchentrakt, die Sporthalle und das Gebäude für den offenen Vollzug erweitert und der Bestand nach den Vorgaben der aktuellen Energieeinsparverordnung grundsaniert.

Angesichts einer Verdoppelung der Kapazitäten könne man beinahe nicht mehr von einer bloßen Erweiterung reden, erklärte Landrat Stephan Pusch, der den Standort als „ideal“ bezeichnete. Dass das Neubaukonzept es ermöglicht, künftig auch die jugendlichen Untersuchungsgefangenen zielgerichtet und frühzeitig mit den vielfältigen Schul-, Ausbildungs- und sonstigen Betreuungsmaßnahmen des Jugendstrafvollzuges zu fördern, begrüßte Pusch. Der Kreis verstehe sich da als Partner der JVA, verwies er unter anderem auf die seit Jahren bestehende Zusammenarbeit mit dem Berufskolleg in Geilenkirchen. „Die Jugendlichen erhalten so bessere Chancen, um den Weg zurück in die Gesellschaft zu finden.“

Damit werde auch dem Anliegen der Justizministerin Müller-Piepenkötter Rechnung getragen, den Jugendvollzug insgesamt zu verbessern und verstärkt zur Rückfallvermeidung beizutragen, stimmte Anstaltsleiterin Ingrid Lambertz zu. Es sei schon beeindruckend, was seit dem Spatenstich am 19. März 2008 alles geschehen sei. Am Beginn der Planungen sei nur eine Erweiterung auf 300 Haftplätze angedacht worden, am Ende werden es 573 sein. Von den insgesamt 331 neuen Haftplätzen entfallen 170 auf die Untersuchungshaft bei Jugendlichen, 137 weitere auf die Strafhaft und 24 Haftplätze sind für den offenen Jugendvollzug bestimmt.

Die Sicherheit rund um die Haftanstalt wird in einem Zuge baulich verbessert und auf den neuesten Stand der Sicherheitstechnik gebracht. Ein Umstand, den Landrat Pusch im Hinblick auf etwaige Sorgen in der Bevölkerung nachhaltig hervorhob.



 

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