Justizvollzugsanstalt Heinsberg:  Recycling in der Justizvollzugsanstalt Heinsberg

 

Recycling in der Justizvollzugsanstalt Heinsberg

Sitzgruppe für Kindergarten gebastelt
Kindergartengruppe mit den Überbringern der Sitzgruppe Ralf Baumann und Marcus Andrzejeweski (hinten v.r.) von der JVA Heinsberg überreichten die Präsente an den Kindergarten. Quelle: agsb

© Heinz Eschweiler, Justizvollzugsanstalt Heinsberg vom10.08.2013

„Die sehen ja toll aus“, blickte Käthe Dollendorf, Leiterin des Städtischen Kindergartens Heinsberg an der Sittarder Straße, zur kleinen Sitzgruppe. Die kleinen Strolche des Kindergartens hatten Sitzhocker und Tisch schnell entdeckt und schon ihren Lieblingsplatz gefunden. Der Tisch wurde kurzerhand zweckentfremdet, hierauf saßen gleich drei Kids und waren einfach nur stolz.

Insgesamt fünf kleine Sitzhocker mit Tisch – von Häftlingen gefertigt – überreichten Marcus Andrzejeweski, kommissarischer Leiter der Arbeitsverwaltung der Justizvollzugsanstalt Heinsberg sowie Ralf Baumann, Leiter des Kolping-Bildungswerkes in der JVA, an den städtischen Kindergarten.

Die Justizvollzugsanstalt Heinsberg als größte Jugendstrafanstalt in NRW beschäftigt zurzeit 320 jugendliche Gefangene und ist praktisch der größte Ausbilder im Kreis Heinsberg. In zwölf beruflichen- und zwölf schulischen Bildungsmaßnahmen werden die Gefangenen qualifiziert. Das Kolping-Bildungswerk bietet dabei 124 Ausbildungsplätze an.

Seit 1978 bildet Kolping in den traditionellen Handwerksbereichen - wie unter anderem Malern und Anstreichen, Bau, Metall, Straßen- und Gartenbau sowie Schweißen - aus. Seit Mai 2012 wurden im Zuge der Erweiterung der Räumlichkeiten in der JVA quasi auch die Ausbildungsangebote erweitert. Neue Maßnahmen sind zum Beispiel Boden legen, die Bereiche Lager und Handel, Hauswirtschaft/Hotel- und Gaststättengewerbe, sowie eine Ausbildung zum Gabelstaplerführerschein.

Die Sitzgruppe wurde von Gefangenen der modularen Qualifizierungsmaßnahme „Bodenleger“ in einer Projektarbeit hergestellt. Die Ausbilder Norbert Schappe und Manfred Balzer setzten bei der Herstellung auf zahlreiche Abfallprodukte. „Eigentlich viel zu schade, um diese wegzuschmeißen“, so Norbert Schappe.

Schnell entstand die Idee beim Blick stabiler Papprollen und herumliegender Teppichreste, hieraus eine kleine Sitzgruppe herzustellen. Die Papprollen wurden auf die entsprechende Größe zugeschnitten und sieben Rollen zur Blütenform mit verzinkten Schrauben zusammengeschraubt. Mit einer Stichsäge wurde Multiplex-Holz ausgeschnitten und in den verschraubten Papprollen dann zur geraden Fläche eingearbeitet.

Teppichreste wurden mit einem Delphinmesser zugeschnitten. Die Teppichstücke wurden mit doppelseitig klebendem Verlegeband auf den Papprollen befestigt. Einen Velourstreifen klebten die Azubis auf die Unterseite ebenfalls mit wasserlöslichem Flüssigkleber, ebenso ein weiteres Teppichstück auf der Oberseite.

Das Ergebnis ließ die Ausbilder und auch die Inhaftierten strahlen, gleich wurde mit allen vorhandenen Abfallprodukten eine Serie mit kleinen Sitzhockern gefertigt. Danach entwickelte sich der Gedanke, diese kleine und sehr stabile Sitzgruppe an einen Kindergarten zu verschenken.

Nach dem nächsten Ausbildungsmodul steht dann erneut die Verarbeitung der „Reste“ auf dem Programm. Eines steht jetzt schon fest: dann darf sich erneut eine Einrichtung aus dem Stadtgebiet über ein Geschenk aus dem Knast freuen.


 

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