Gefängnismauer saniert Daniel Kintzel (rechts) und Paul Marsal reinigen den Aqua-Cutter, der mit 2500 Bar Wasserdruck lautstark alte Betonteile entfernt hat.
Quelle: Rainer Herwartz

© AZ vom 14.12.2018  von Rainer Herwartz


Heinsberg. So manche Nachbarn der JVA in Heinsberg werden entspannt durchatmen, denn pünktlich zur Vorweihnachtszeit, in der bekanntlich Besinnlichkeit und Ruhe einkehren sollen, wird Letzteres auch für sie wieder möglich sein. Seit Anfang Juli war es mit der Ruhe nämlich vorbei. Bei Ostwind, so berichtete eine Leserin gegenüber unserer Zeitung, habe sie „den Radau“ an der JVA sogar bis nach Lieck gehört. Viele stellten sich denn auch die Frage, was um Gottes Willen die Ursache für den Lärm war, der schon morgens gegen sieben Uhr manchen Rentner aus dem Bett scheuchte und erst am späten Nachmittag verstummte.

Ingrid Lambertz, die Leiterin der Jugendstrafanstalt, bringt auf Nachfrage unserer Zeitung Licht ins Dunkel. „Die alte Mauer aus dem Jahr 1978 musste restauriert werden, weil man zwischen den aneinandergesetzten Fertigbetonteilen an einige Stellen sogar schon die Hand durchstecken konnte.“ Der Zahn der Zeit hatte buchstäblich an der Mauer genagt und ganze Arbeit geleistet. Aufgrund der Sicherheitsbedenken sei die Anstaltsleitung schon vor einiger Zeit an den Bau- und Liegenschaftsbetrieb NRW, Niederlassung Aachen, als Eigentümer des Gefängnisses herangetreten und habe auf die Misere aufmerksam gemacht. Mit Erfolg.

„Der Bau- und Liegenschaftsbetrieb NRW in Aachen lässt seit Sommer die Haftmauer um die Justizvollzugsanstalt Heinsberg auf einer Länge von 840 Metern sanieren“, erklärt der für die Öffentlichkeitsarbeit beim BLB zuständige Bernd Klass auf Anfrage. „An den Betonfertigteilen haben sich im Laufe der Jahre Abplatzungen gebildet und die Eisenbewehrung zum Teil freigelegt. Zudem sind die Fugen zwischen den Fertigteilen geschädigt.“

Um die Standsicherheit der Haftmauer dauerhaft zu erhalten, sei der Beton um die Fugen aufgeschnitten, die Bewehrung verstärkt und neu betoniert worden. Ferner erhalte die Haftmauer eine neue Oberflächenbeschichtung. Das Aufschneiden des Betons war es, dass die Bevölkerung quasi am Baufortschritt ungewollt akustisch teilnehmen ließ. Ein stählernes Monstrum namens Aqua-Cutter verursachte dabei den Höllenlärm, der die Anwohner beschäftigte. Mit 2500 Bar Wasserdurck und einem Wasserverbrauch von 60 Litern pro Minute gingen Daniel Kintzel und Paul Marsal noch bis zum Ende letzter Woche zu Werke. Die Reparatur hat unsere Sicherheitsbelange nicht berührt, da wir ja auch über einen Innensicherheitszaun verfügen“, erläutert Ingrid Lambertz. „Außerdem“, ergänzt ihr Stellvertreter Franz-Josef Bischofs, „mussten alle entfernten Teile noch am selben Tag wieder durch eine andere Firma ersetzt werden.“

„Die Aachener Niederlassung des BLB NRW investiert einen einstelligen Millionenbetrag in die Sicherheit der JVA und hat zwei Ingenieurbüros sowie eine Fachfirma mit der Sanierung beauftragt“, erklärt Bernd Klass. „Abhängig von den Witterungsbedingungen werden die Arbeiten voraussichtlich bis April 2019 abgeschlossen sein.“