Präsentation von Kunstwerken junger Strafgefangener Corinna Waßmuth, Leiterin des Amtsgerichts Geilenkirchen (r.), hieß die Leiterin der JVA Heinsberg, Ingrid Lambertz (3.v.r.), und Mitglieder ihres Teams im Amtsgericht Geilenkirchen willkommen zur Präsentation von Kunstwerken junger Strafgefangener.
Quelle: Dettmar Fischer

© AZ vom 09.01.2018  von Dettmar Fischer

 

Geilenkirchen/Heinsberg. Kunstwerke von jungen Männern, die derzeit in der Justizvollzugsanstalt Heinsberg ihre Strafe absitzen, zeigt in den kommenden drei Monaten das Amtsgericht Geilenkirchen. Im Rahmen eines kleinen Neujahrsempfangs präsentierte die Leiterin des Amtsgerichts Geilenkirchen, Corinna Waßmuth, ihren Gästen die Werke. Leider konnten aus naheliegenden Gründen die Künstler selber nicht anwesend sein.  


Tigermotiv umgesetzt

Karoline Kempas, Sozialarbeiterin in der JVA Heinsberg, begleitete das Kunstprojekt in der JVA. Sie ist zuversichtlich, dass zumindest der ein oder andere Künstler noch in den Genuss der Betrachtung seiner ersten Ausstellung kommen wird, wenn es denn die Vollzugsregeln erlauben. Sehenswert ist die Schau in den Fluren des Amtsgerichtes auf jeden Fall: Der Weihnachtsbaum im ersten Stockwerk wird, so lange die Nadeln halten, derzeit von einem Drachen „befeuert“. Das Meisterwerk aus Holz stellt einen chinesischen Glücksdrachen dar. Es wurde im Rahmen der Arbeitstherapeutischen Maßnahme Holz in der JVA hergestellt. Alexander Aretz begleitet die Arbeitstherapeutischen Maßnahmen. Jörg Winkens ist als Leiter Werkdienst ebenfalls involviert, wenn es um die Kunst im Knast geht. Thomas Nyhsen ist als Werkstattleiter für die Werke aus der Arbeitstherapeutischen Maßnahme Werken und Gestalten zuständig. Meister Nobert Schappe gab den jungen Künstlern Hilfestellung, die ihre Werke ausgehend vom Berufsbild des Bodenlegers schufen. In großer Zahl sind an den Flurwänden die beeindruckenden Werke der Bodenleger präsent. Mit einem Overheadprojektor konnten die jungen Strafgefangenen ihr ausgewähltes Motiv auf die Auslegware projizieren. Exakt passend zu den Konturen des Motivs wurde dann ein zweiter kontrastierender Teppichboden zugeschnitten und passgenau kombiniert. Das Ergebnis sind Bilder von grafischer Exaktheit und einer Oberfläche, die so kein Maler hinkriegt. Solche Bilder hat man in der heimischen Künstlerszene noch nicht gesehen. Kai Frank S. hat mit seinem Teppichbild Elvis Presley ein Denkmal gesetzt. In Schwarz und Weiß ist das Bild gehalten, so gegensätzlich wie das Leben des King of Rock ´n Roll. Elidon P. hat für seinen Ausstellungsbeitrag eine humorvolle Vorlage gewählt, einen kleinen Feuerwehrmann, der das Feuer auspinkelt. Simon S. hat eine hübsche Teufelin geschaffen. Kai P. hat ein großes Tigermotiv gekonnt umgesetzt. Die „Bodenleger“ wurden bei ihren künstlerischen Arbeiten vom Kolping Bildungswerk unterstützt. Ralf Baumann, Ausbildungsleiter beim Kolping Bildungswerk Aachen, verwies bei der Präsentation der neuen Ausstellung im Amtsgericht darauf, dass das Kolping Bildungswerk seit 1978 in der JVA Heinsberg engagiert ist. Neben der Langzeitausbildung bietet Kolping den Jugendlichen auch Qualifizierungsmaßnahmen an, die bei kurzer Haftdauer den Lernstoff aus dem Ausbildungsrahmenplan des jeweiligen Berufes vermitteln. Sozialarbeiterin Karoline Kempas: „Die Jugendlichen in der JVA waren begeistert, als sie von dieser Ausstellungsmöglichkeit hörten.“ Begeistert werden sicherlich auch die Besucher sein, die neben den Kunstwerken der Bodenleger auch Gemälde und Tonarbeiten bewundern können.