Justizvollzugsanstalt Heinsberg:  Gleich mehrere Fehler führen zur Flucht

 

Gleich mehrere Fehler führen zur Flucht

Unter den Lkw geworfen: Rechtsausschuss des Landtags arbeitet Ausbruch eines 22-jährigen aus der JVA Heinsberg am 6.Mai auf.
Pfortenbereich der JVA Heinsberg Die Justizvollzugsanstalt (JVA) Heinsberg: Am 6. Mai war von dort ein 22-Jahre alter Gefangener geflüchtet. Ein Bericht des NRW-Justizministeriums kommt nun zu dem Schluss, dass gleich mehrere Dienstpflichtverstöße zum Gelingen der Flucht führten.
Quelle: Foto: CUH

© Heinsberger Zeitung vom 26.05.2016
von Bettina Grönewald

Düsseldorf/Heinsberg. Die Flucht eines 22-jährigen aus der Justizvollzugsanstalt Heinsberg ist von einer Kette von Fehlern begünstigt worden. Das teilte gestern das NRW-Justizministerium dem Rechtsausschuss des Düsseldorfer Landtages mit. Dem Gefangenen war es am 6. Mai gelungen, eingeklemmt unter einem Lieferwagen aus dem Gefängnis zu entkommen. Gestern nun arbeitete der Rechtsausschuss den Vorfall auf.Sowohl im Arbeitsbetrieb der Haftanstalt, wo der Wagen vorgefahren war, als auch an der Gefängnispforte sei nicht ordnungsgemäß kontrolliert worden, sagt NRW-Justizminister Thomas Kutschaty (SPD) in seinem Bericht. Dienstaufsichtsrechtliche Maßnahmen wegen möglichen Fehlverhaltens der Bediensteten würden überprüft.

Die „Gunst der Stunde“

Der Häftling, der wegen des Verdachts schwerer räuberischer Erpressung in mehreren Fällen in der JVA in Untersuchungshaft saß, hatte nach seiner Ergreifung vier Tage später berichtet, er habe die „Gunst der Stunde“ genutzt. Der Leiter des Metall- und Kunststoffbetriebs der JVA habe an dem Morgen angekündigt, dass die Gefangenen Ware von einem Lieferwagen entgegennehmen sollten.

„Der Gefangene gab an, dass er sich über diesen Hinweis innerlich gefreut habe, da ihm schon vorher bewusst gewesen sei, dass ein Lkw für ihn die einzige Möglichkeit darstellen könne, um unversehrt aus der Anstalt herauszukommen“, schildert der Justizminister in seiner Vorlage. Als der Pritschenwagen vorfuhr, habe sich der Häftling unter das Auto geworfen und sich, eingeklemmt zwischen Stangen neben dem Ersatzrad, „nicht großartig festhalten müssen“.

Mehrere augenscheinliche Dienstpflichtverstöße hätten die Flucht dann begünstigt: So habe der Werkbeamte seine acht Gefangenen bei dem Ladevorgang nicht ausreichend beaufsichtigt und zu spät auf Vollständigkeit gezählt. An der Pforte habe der Bedienstete das Auto passieren lassen, ohne vorschriftsgemäß das Ergebnis der Zählung abzuwarten. Zudem habe er, ebenfalls regelwidrig, nur den einsehbaren Fahrerraum und die offene Ladefläche kontrolliert.

An einer roten Ampel war der Häftling dann unter dem Auto hervorgeklettert und geflüchtet. Nun stehe der Mann im Verdacht, einen Tag vor seiner Ergreifung in Eschweiler eine weitere räuberische Erpressung verübt zu haben, berichtet Kutschaty. In einem Supermarkt soll er mit einer Machete etwa 600 Euro erbeutet haben. Es sei nicht möglich, alle Gefängnisse mit Herzschlag-Detektoren, die pro Gerät 70 000 Euro kosten, auszustatten, um Flüchtende aufzuspüren, stellt der Minister fest.


 

Druckvorschau in neuem Fenster öffnen   zum Seitenanfang gehen