Justizvollzugsanstalt Heinsberg:  Reges Treiben hinter hohen Betonmauern

 

Reges Treiben hinter hohen Betonmauern

Heinsberg beherbergt die zweitgrößte Jugendstrafanstalt in ganz Deutschland. Jetzt können Besucher einen Blick ins Innere werfen.
Luftaufnahme der Justizvollzugsanstalt Quelle: JVA Heinsberg

© von Rainer Herwartz

Heinsberg. Wie viele Besucher am Ende kommen werden, weiß Ingrid Lambertz natürlich noch nicht. Doch die Leiterin der JVA Heinsberg rechnet zum Tag der offenen Tür am Sonntag, 19. Oktober, mit einigen Tausend Gästen. Schließlich waren es im Jahr 2003, als die Haftanstalt ihr 25-jähriges Bestehen feierte, schon 4000. Die erweiterte und modernisierte Einrichtung dürfte dies aller Wahrscheinlichkeit nach toppen. Schließlich ist die JVA in der Kreisstadt mittlerweile der größte Jugendknast in NRW und der zweitgrößte in ganz Deutschland. „Hinter Hameln“, wie Ingrid Lambertz bemerkt.

„Der Erweiterungsbau ist fertig, wir bauen aber noch am Altbestand“, sagt Lambertz. „Dort werden noch alle Türen ausgewechselt, damit wir ein einheitliches Schließsystem haben. Derzeit laufen wir noch mit vier Schlüsseln herum. Das sprengt jede Hosentasche.“ Auch die Bäder würden hier noch saniert, erklärt die Anstaltsleiterin. Kein Wunder. Schließlich war der alte Teil des Gebäudekomplexes bereits 1978 fertiggestellt worden. Die damals brandneue Strafvollzugsanstalt in der Kreisstadt verschlang seinerzeit umgerechnet 18,4 Millionen Euro.Sechs Jahre sind nun seit dem Start des Erweiterungsbaus 2008 vergangen. Und der wird diese Summe um Längen übertreffen. Franz-Josef Bischofs, stellvertretender Anstaltsleiter: „Der Neubau ist geplant für 73,6 Millionen Euro.“ Hinsichtlich der Gesamtkosten für die Erweiterung könnten aber noch keine abschließenden Angaben gemacht werden, ergänzt Lambertz.

Zwei große Werkshallen

Neben den beiden zusätzlichen Hafthäusern, die nötig wurden, da jetzt auch Untersuchungshäftlinge in Heinsberg untergebracht werden müssen, schlagen vor allem die beiden großen Werkshallen und die neue Fahrbereitschaft bei den Kosten zu Buche.

Natürlich sei auch Wert darauf gelegt worden, dass die Haftanstalt dem aktuellsten Sicherheitsstandard entspreche. Die Werkshallen bieten über zwei Etagen eine Gesamtfläche von 7000 Quadratmetern. „Wir haben für fast jeden etwas dabei, von der niederschwelligen Arbeitstherapie, um Häftlinge an einen geregelten Tagesablauf und Arbeitszeiten zu gewöhnen, bis hin zur dreieinhalbjährigen Ausbildung im Metall- oder Baubereich, die mit der Gesellenprüfung abschließt“, beschreibt Lambertz. Das Kolping Bildungswerk Aachen und das Berufskolleg Geilenkirchen seien für die Ausbildung zuständig. „Wir haben eine Beschäftigungsquote von deutlich über 90 Prozent. Das ist für Haftanstalten ein sehr hoher Wert“, meint Bischofs in diesem Zusammenhang. „Der Jugendstrafvollzug ist ein Erziehungsvollzug. Dabei sind Ausbildung, Arbeit und Schule die tragenden Säulen“, erläutert Lambertz die Aufgabenstellung hinter den dicken Betonmauern.

Wie dies in der Praxis aussieht, können sich die Besucher am Tag der offenen Tür einmal aus der Nähe anschauen. Seit dem 1. Januar dieses Jahres beträgt die Belegungsfähigkeit der JVA 566 Haftplätze. Früher waren es nur 242. 430 sind im Moment „gebucht“. Etwa 120 junge Männer sitzen in Untersuchungshaft. Straftäter von 14 bis 24 Jahren werden untergebracht. „In der Tat ist es so, dass selbst über das so genannte Heranwachsendenalter von 18 bis 21 Jahren hinaus Häftlinge bis zu einem Alter von 24 Jahren noch in die Jugendstrafanstalt eingewiesen werden können“, verdeutlicht die Juristin Lambertz die Rechtslage. „Im Verfahren muss aber durch das Gericht festgestellt werden, dass der Verurteilte von der Reife her noch einem Jugendlichen gleichzustellen ist und somit der Richter eine Jugendstrafe verhängen.“

Die durchschnittliche Verweildauer betrage elf Monate im Strafvollzug und zwei Monate in der U-Haft. Den Steuerzahler kostet dies übrigens pro Tag und Nase in Nordrhein-Westfalen 97 Euro. Ohne Personalkosten bedeutet dies allein in Heinsberg einen Aufwand von 11,1 Millionen Euro – Stand 2013.

Ein stattlicher Teil der mittlerweile 330 Beschäftigten wird nun am Sonntag, 19. Oktober, in der Zeit von 10 bis 16.30 Uhr die interessierten Besucher begrüßen. „Unsere Gäste haben die Möglichkeit, entlang einer vorgegebenen Route die Anstalt zu erkunden und sich zu informieren“, freut sich Ingrid Lambertz auf ein reges Treiben.

Parkplätze gebe es entlang der Fritz-Bauer-Straße und auf dem dortigen Parkplatz. Handys und Kameras müssten aus Sicherheitsgründen allerdings draußen bleiben.


 

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