Justizvollzugsanstalt Heinsberg:  Justizminister besichtigt JVA-Baustelle

 

Justizminister besichtigt JVA-Baustelle

Seit 2008 wird die Jugend-Justizvollzugsanstalt (JVA) Heinsberg zu einem der modernsten Gefängnisse Deutschlands umgebaut. NRW-Justizminister Thomas Kutschaty besichtigte gestern die Großbaustelle in der Kreisstadt.
NRW-Justizminister Thomas Kutschaty ließ sich von Ingrid Lambertz, Leiterin der Justizvollzugsanstalt, die Baumaßnahmen erläutern. NRW-Justizminister Thomas Kutschaty ließ sich gestern von Ingrid Lambertz, Leiterin der Jugend-Justizvollzugsanstalt in Heinsberg, die Baumaßnahmen erläutern.
FOTO: Jürgen Laaser

©  RP-Online vom 21. Januar 2014 von Willi Spichartz

Heinsberg. Sie war bei der Eröffnung 1978 die modernste ihrer Art in Europa, derzeit wird sie für 87 Millionen Euro erweitert und modernisiert – Genugtuung drückte der Chef aller Justizvollzugsanstalten im Land, NRW-Justizminister Thomas Kutschaty, bei einem Besuch der Jugend-Justizvollzugsanstalt (JVA) Heinsberg aus. Ingrid Lambertz, Leiterin der Einrichtung, führte ihren Chef auch über die riesige Baustelle.

423 Jugendliche und Heranwachsende bis zum 24. Lebensjahr verbringen in dem Komplex nahe dem Freizeitzentrum Lago Laprello ihre Haftzeit, von denen sich 377 nach den Worten des Ministers in Ausbildungs- und Arbeitsverhältnissen befinden. Eine Zahl, die Thomas Kutschaty auch als Erfolg der NRW-Linie wertet, Bildungs- und Arbeitsdefizite bei den jungen Strafgefangenen zu beseitigen. Denn, so der Minister, die heutigen Junghäftlinge hätten weniger Bildung und wesentlich mehr Defizite im Sozialverhalten als die vor etwa 20 Jahren. Und das aufzuheben, sei unter anderem deshalb schwierig, da die Haftstrafen bei Jugendlichen relativ kurz seien. Darüber hinaus hätten in Heinsberg 90 Prozent der Häftlinge Drogenerfahrung, 40 Prozent seien sogar drogenabhängig. Schließlich kämen noch Krankheiten wie Psychosen zum Gesamtbild. Keine Vereinfachung der Aufgaben der knapp 300 Beschäftigten in der JVA Heinsberg bedeute der Umstand, dass die 423 Insassen aus 31 Nationen kämen.

Die Personalsituation in Heinsberg sei erheblich besser als in anderen Anstalten, wo im Durchschnitt zwei Häftlinge auf einen Mitarbeiter kämen. Die seit 2008 anhaltenden Neubauarbeiten würden im nächsten Halbjahr abgeschlossen, sagte Anstaltsleiterin Ingrid Lambertz. Das Problem der Belästigung der in Anstaltsnähe in vorwiegend Einfamilienhäusern lebenden Nachbarn durch unflätige Zurufe aus einem Gefängnistrakt habe man in den Griff bekommen. Einmal habe man die U-Häftlinge verlegt, zum anderen könnten dort die Fenster lediglich noch in Kippstellung geöffnet werden, und in den nächsten Tagen würden hohe Bäume und Gewächse zur Sichtunterbrechung gepflanzt. Seit Oktober 2013 habe es keine Beschwerden über Belästigungen mehr gegeben.

"Wir wollen die Häftlinge nur einmal in diesem Haus sehen!" Der Justizminister machte in einem Satz das Ziel einer Haftstrafe deutlich. Von daher seien Bildung und ein verstärktes "Übergangsmanagement" immer bedeutender geworden. "Wir wollen und müssen verhindern, dass die jungen Leute nach der Entlassung in ihre alte Situation reinkommen. Von daher haben wir auch Wohngruppen eingerichtet, die den Neustart 'draußen' besser möglich machen sollen", sagte er.

Personelle Nachwuchssorgen habe man für Heinsberg keine, auch wenn die bei der Eröffnung der Anstalt 1978 eingestellten Vollzugsbeamten nun alle in Pension gingen.


 

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